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FSN 2009/04 - 05. April 2009
Fürsty antwortet nicht

Vorbeiflug am Hangar und den Gebäuden der BW-Sportfliegergruppe Fürstenfeldbruck.
Foto: P. Eschbach
Was denkt Rotwild über einen Flugplatz? Blöde Frage? Beim FlyIn am 4. April 2009 saßen wir bei Kaffee und Kuchen, den die Fürstenfeldbrucker Fliegerkameraden für die Besucher vorbereitet hatten und konnten dabei 4 Rehe beobachten, die in nächster Nähe entlang des Flugplatzzauns völlig unbeeindruckt ob unseres Tuns samt Flugbetrieb entlang wanderten.

AN 2 aus Oberschleißheim im gemeinsamen Vorbeiflug mit der PA 18
der BW-Sportfliegergruppe FFB.
Foto: P. Eschbach
Themenwechsel. Offiziell soll jetzt Schluss sein mit dem Flugbetrieb in Fürsty. Nachfolgenutzungen sollen auf dem Flugplatzgelände für den wirtschaftlichen Aufschwung sorgen, den die Region, sprich die Gemeinden am Flugplatz unabhängig von der aktuellen Krise für sich zu erreichen glauben. Ähnlich wie in Neubiberg, wo auch mal ein Flugplatz war. Auch dort gab es große Pläne. Was ist auf dem riesigen Areal bis heute passiert? Eigentlich nichts. In Fürsty dürfte es ähnlich laufen, zumal die Zeiten schlechter sind. Ganz egal, wie und was passiert, es passiert nichts, was den Bestand eines in der Größe angepassten Flugplatzgeländes für Luftsportler und Kleinflugzeuge im Ansatz gefährden würde - wenn man es nur wollte.
Dann gibt es noch die großen Planer, die am neuen Landesentwicklungsplan (LEP) für die Region 14, sprich den Großraum München feilen. Und die meinen, ein Verkehrslandeplatz für Flugzeuge bis ca. 3 Tonnen sei in dieser Region verzichtbar. Weil es gibt ja so zahlreiche Alternativen eben für diese Kategorie Flugzeuge. Jesenwang, Dachau-Gröbenried, Oberschleißheim oder Moosburg-Kippe. Dazu noch die glänzenden Alternativen wie Oberpfaffenhofen und, beinahe hätte ich ihn vergessen, den Flughafen München. Aktuell sind in Fürsty, schier unglaublich, immer noch Flieger beheimatet, dazu ein nicht gerade kleiner Luftsportverein, die BW Sportfliegergruppe Fürstenfeldbruck. Das sind Segelflieger und Motorflieger, die in den nächsten Tagen ihre Basis so mir nichts, dir nichts aufgeben sollen - und dann?

Einziger Hubschrauber beim FlyIn, R22 mit Oberschleißheimer Besatzung.
Foto: P. Eschbach
Klartext. Alle genannten Alternativen taugen nicht als Ersatz für einen fehlenden Verkehrslandeplatz in der Region 14! Sie dürfen nicht und sie können nicht - und die großen Plätze wollen nicht, denn die sind mit ihren eigenen Hausaufgaben noch nicht fertig - trotz Bayerischer Landespolitik. Dabei wären alle Argumente, die im aktuellen Entwurf zum LEP gegen einen Verkehrslandeplatz in der Region 14 angeführt sind, gleichzeitig die besten Argumente für einen Verkehrslandeplatz Fürstenfeldbruck - sowohl ökologisch als auch ökonomisch.
Man hat mich ja schon häufiger als Öko-Flieger belächelt. Mag wohl daran liegen, dass ich ohne Auto unterwegs bin, sprich mit dem Fahrrad oder mit dem ÖPNV, bei dem ich auch in Lohn und Brot stehe - und Flieger bin ich trotzdem. In der Tat handle ich für mich so gut es geht auch nach ökologischen Grundsätzen. Gerade deshalb bin ich absolut überzeugt von einem Verkehrslandeplatz Fürsty.

FlyIn mit einer echten alten Lady, die Cessna 195.
Foto: P. Eschbach
Ein Verkehrslandeplatz Fürsty trägt zur Verkehrsvermeidung bei, sowohl in der Luft als auch am Boden. Es besteht Anschluss an das S-Bahn-Netz München (S-Bahn-Halt Maisach) und gibt anfliegenden Gästen die Möglichkeit einer staufreien Weiterfahrt Richtung München, denn die Anfahrt mit dem Auto, wie im LEP-Entwurf ebenfalls als Alternative vorgeschlagen, ist angesichts der tagtäglichen Verkehrssituation rund um München keine wirklich gute Idee. Der komplexe Luftraum rund um den Flughafen München wird entlastet, denn die im LEP genannten Alternativen sind erstens ungeeignet und liegen zweitens überwiegend in unmittelbarer Nähe zum Flughafen München, teilweise in dessen Kontrollzone. Fürsty könnte also den Verkehr aus Westen aufnehmen, was im Fall Landshut für den Verkehr aus dem Osten gilt. Ein unwiderlegbarer Vorteil für alle!

Der bisherige Taxiway 27 und die im Bild links davon liegende Grasbahn für Segelflug
sind eine ideale Basis für einen Verkehrslandeplatz Fürsty.
Foto: P. Eschbach
Fluglärm: Zugegeben, wenn man unmittelbar an einer Landebahn steht und von einem startenden Flugzeug überflogen wird, dann ist es unüberhörbar. In den allermeisten Fällen jedoch geht der Lärm im Umgebungsgeräusch unter. Das ist ein Ergebnis der technischen Maßnahmen, die in den letzten 20 Jahren zur deutlichen Reduzierung der Geräuschemissionen von Flugzeugen beigetragen haben. Die nächste Generation (Stichwort LSA) wird noch leiser und darüber hinaus noch ökonomischer als ein Mittelklasse-Automobil. Klar, der Schutz vor Lärm war vor 20 Jahren eine berechtigte Forderung an Luftfahrzeuge - aber heute? Nur wer schlimmes denkt, könnte ganz andere Interessen hinter dem Argument Lärmschutz vermuten, oder?
Ganz nebenbei, für Sichtflieger ist grundsätzlich spätestens 30 Minuten nach Sonnenuntergang Schluss mit Fliegen. Dementsprechend sind nachts die Flugplätze für Sichtflieger, auch ein Verkehrslandeplatz Fürsty, geschlossen. Ruhe! Bei alledem dürfen wir aber nicht vergessen, wir leben in einer Region, in der mehrere Millionen Mitbürgerinnen und Mitbürger leben. Allein dieser Umstand erzeugt mehr oder weniger unvermeidbaren Lärm, sei es Verkehr (z. B. Autos, Motorräder, Busse, LKW, Schienenverkehr, Luftverkehr) oder schlicht das tägliche Leben (Rasen mähen, Baulärm, Disko, Party feiern, u.v.a. Freizeitaktivitäten.). Ein Verkehrslandeplatz Fürsty wäre, wie alle anderen Flugplätze für Luftsport und Kleinflugzeuge auch, in der Nacht ein Traum für Anlieger - im Gegensatz zu einer Rennbahn oder anderen nächtlichen Outdoor-Aktivitäten.
Was also denken diese 4 Rehe, die wir bei Kaffee und Kuchen beobachten konnten, über einen Verkehrslandeplatz Fürsty?
Josef Kobold
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