Ein Meilenstein, 48 Jahre Luftrettung in München

Seit 26. Oktober in der Flugwerft Schleißheim, Deutsches Museum, zu bewundern. Bölkow Bo 105 Werk-Nr. 01, aufbereitet als Christoph 1, mit dem die Luftrettung in Deutschland 1970 systematisch eingeführt wurde. Foto: jkob
Seit 26. Oktober in der Flugwerft Schleißheim, Deutsches Museum, zu bewundern. Bölkow Bo 105 Werk-Nr. 01, aufbereitet als Christoph 1, mit dem die Luftrettung in Deutschland 1970 systematisch eingeführt wurde. Foto: jkob

Der Arzt soll zum Verletzten kommen, nicht der Verletzte zum Arzt. So führte Dr. med. Stolpe, Medical Director der ADAC Luftrettung bis 2015 in seinem Referat die Besucher des Symposiums anlässlich der feierlichen Übergabe des aufgearbeiteten Ur-Rettungshubschraubers an die Flugwerft Schleißheim, Deutsches Museum, ein.

 

Bereits in den 1930er Jahren wurde diese grundsätzliche Aussage aufgrund damals steigender Unfallzahlen durch den rasant wachsenden motorisierten Individualverkehr festgeschrieben.

 

Noch schlimmer wurde es in den 1960er Jahren. Es bestand dringender Bedarf ein Transportmittel zu kreieren, um zu den Verletzten zu gelangen und so entwickelte der ADAC das Konzept der Luftrettung. 1968 wurde unter dem Codenamen "Kolibri" ein Bell JetRanger erstmals eingesetzt. Aber erst die Bo 105 ermöglichte den systematischen Aufbau eines Systems der Luftrettung.

 

Am 1. November 1970 startete "Christoph 1" erstmals zu Rettungseinsätzen vom Münchner Klinikum Harlaching aus und leitete damit die Ära der Luftrettung ein, wie wir sie heute tagtäglich erleben müssen.

Christoph 1 im Zustand von 1970. Personal, im Vordergrund der Notarzt. Im Hintergrund links der Pilot, rechts der Rettungssanitäter und Bordmechaniker. Foto: jkob
Christoph 1 im Zustand von 1970. Personal, im Vordergrund der Notarzt. Im Hintergrund links der Pilot, rechts der Rettungssanitäter und Bordmechaniker. Foto: jkob

Im vorausgehenden Referat, das Prof. von Tein, ehemals Leiter Entwicklung Hubschrauber, MBB, Ottobrunn 1981 bis 1990, drehte es sich um die Entwicklung und Realisierung dieses Hubschraubers Bo 105. Trotz Konkurrenz am Markt konnte sich die Bo 105 durchsetzen. Zu nennen ist hier die hohe Zuverlässigkeit bedingt durch den redundanten Einsatz von zwei Triebwerken und zu dieser Zeit war die Bo 105 einzigartig durch die Möglichkeit, verletzte Personen durch die Hecktüren auf einer Trage ohne Umlagern oder Umdrehen mit dem Kopf voraus in den Hubschrauber einzubringen.

So hatte der Notarzt direkten Zugriff auf den Kopf und Oberkörper der verletzten Person während des gesamten Transports.

 

Weit mehr als 1400 Exemplare wurden von diesem Hubschrauber bis zum endgültigen Ende der Produktion in  2001 gefertigt, Heute sind immer noch weltweit rund 400 Bo 105 in verschiedensten Ausführungen in Betrieb.

 

Dr. Stolpe nannte darüber hinaus noch eine wichtige Zahl. 1959 erreichten rund 45 % aller Schwerverletzten lebend die Kliniken. 1994 lag die Quote bei rund 80 % und heute erreichen rund 90 % der Schwerverletzten die Kliniken lebend.

Im Bild rechts verletzte Person auf der Trage, stets in Sicht- und Griffweite von Notarzt und Rettungssanitäter. Foto: jkob
Im Bild rechts verletzte Person auf der Trage, stets in Sicht- und Griffweite von Notarzt und Rettungssanitäter. Foto: jkob

Ohne Luftrettung wäre diese positive Entwicklung nicht mehr möglich. Heute erfüllen diese Aufgaben die Bundespolizei im Auftrag des Bundesministerium des Inneren, der ADAC und die DRF Luftrettung.

Darüber hinaus noch bei Bedarf die nationalen Polizeibehörden sowie Institutionenund private Unternehmen aus den Nachbarstaaten.

 

4 Exemplare der Bo 105 fliegen übrigens bei den Flying Bulls. Sehen Sie selbst, was mit diesem Hubschrauber möglich ist.

 

Sehr wahrscheinlich erreicht der ADAC noch in 2018 eine fast magische und gleichzeitig erschreckende Zahl. Eine Million Einsatzflüge seit 1970. Das macht mich nachdenklich.

jkob